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Beobachten ist das Zauberwort.

Als Julia im Kindergarten bunte Perlen in einer durchsichtigen Kunststoffbox an mir vorbei trug, wurde mir ganz warm ums Herz. Es dauerte etwas, bis ich das wohlige Gefühl überhaupt wahrnahm und feststellte, dass mich diese Perlen kurzerhand in meine Kindheit zurück katapultierten. Ich besaß als Kind ähnliche Perlen.

Vermutlich ergeht es manchem Papa so, wenn er einen Technik-Baukasten sieht. Dann wünschen wir uns, dass unsere Kinder sich zu Weihnachten wünschen, was wir gerne spielen würden oder mal gespielt haben. Das hätte den Vorteil, dass wir mehr Lust zum Mitspielen mit unseren Kindern hätten. Doch leider wünscht sich unser Kind eher das, was das Nachbarskind hat. Aber macht das unser Kind glücklich? Sollen wir mit unserem Kind zusammen Spielzeugprospekte durchsehen, um herauszufinden, was uns beiden gefällt? Oder was wir aus pädagogischen Gründen für sinnvoll halten?

Der Weihnachtsgeschenke-Einkauf gestaltet sich jedes Jahr aufs Neue schwierig. Wie finden wir denn heraus, was unser Kind braucht und was die Kinderaugen erstrahlen lässt?

Beobachten ist das Zauberwort.

Zum Beispiel: das Kind hat gerade entdeckt, dass es mit der Herausforderung mit kleinteiligem Material zu hantieren, zurechtkommt und Freude an Farbe hat. Dann können bunte Perlen zum fädeln oder weben genau das Richtige sein. Oder Werkzeug und Schrauben werden bei allen möglichen Gelegenheiten interessant gefunden. Dann ist ein Konstruktionsbaukasten bestimmt ein angesagtes Spielzeug. Oder das Kind liebt Rituale und die Gemeinsamkeit am Tisch, dann kann dieses Gemeinschaftsgefühl beim gemeinsamen Spiel eines Gesellschaftsspieles unterstützt werden. Vielleicht ordnet und sortiert das Kind gerne, dafür gibt es dann Lotto- Domino oder Bau- und Stapelspiele bis hin zu bestimmten Knobelspielen. Schön, wenn es etwas ist das uns auch Spaß macht. Und wenn nicht – lassen wir uns trotzdem zum Mitmachen überreden, vielleicht entdecken wir ja noch verborgene Fähigkeiten in uns.
 


Seit mehr als sechs Jahrzehnten berät spiel gut zum Kauf von Spielsachen.

Es begann um den Jahreswechsel 1954/55, als das Ulmer Museum die Ausstellung „Gutes Spielzeug“ zeigte. Dabei stand das „Schöne“, also das Design im Vordergrund.

Die Gestaltung und Konzeption der Ausstellung hatte die Abteilung Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Ulm unter Leitung von Otl Aicher übernommen. Die HfG gilt noch heute als die international bedeutendste Design-Hochschule nach dem Bauhaus.

Parallel zu dieser Ausstellung, die in Folge als Wanderausstellung in vielen Ländern gezeigt wurde, begann der ehrenamtlich arbeitende Ausschuss damit, Spielzeug in Familien und Kindergruppen auszuprobieren und die den Kriterien eines guten und schönen Spielzeugs gerecht werdenden Spielsachen mit einem Siegel zu kennzeichnen.

Unter Mitwirkung von Max Bill wurde aus diesem Anlass das orangefarbene Siegel mit dem weißen Punkt ebenfalls in der HFG in Ulm kreiert.

In den spiel gut Bewertungskriterien wird dem Design daher nach wie vor große Bedeutung beigemessen: Spielzeug entwickelt das kindliche Empfinden für ästhetische Formen, harmonische Farben und schöne Gestaltung. Spielzeug in vereinfachter Form lässt Kinder das Wesentliche erkennen. Ein Spielzeug mit gutem Design erklärt sich in seiner Funktion von selbst.
 


Bewegung macht Kinder stark

Krabbeln, kriechen, klettern, hüpfen, springen – Kinder brauchen Bewegung. Denn Bewegung macht Freude und Spaß, fördert die Entwicklung der Persönlichkeit, sorgt für eine gesunde körperliche Entwicklung und verbessert die resilienten Eigenschaften von Kindern. Bewegung und Körperlichkeit haben Einfluss auf alle Entwicklungsbereiche und somit eine wichtige und grundlegende Bedeutung. Die Kinder erwerben Kompetenzen, die nicht nur sie selbst betreffen, sondern auch soziale Kompetenzen und Sach-Kompetenzen.

Die Erfahrungen, die es über seinen Körper gemacht hat, sind entscheidend dafür, ob sich das Kind etwas zutraut oder sich bei Herausforderungen eher zurückhaltend, ängstlich und übervorsichtig verhält. Es lernt seinen Körper wahr zunehmen, seine Stärken und Schwächen kennenzulernen und damit umgehen zu können und einzusetzen. Ein positives Körper- und Selbstbewusstsein ist notwendig für die seelische und körperliche Entwicklung.

Dies ist in den ersten Lebensjahren besonders wichtig. Kinder unter drei Jahren erforschen und erkunden ihre Umwelt durch Bewegung. Sie haben einen natürlichen Drang sich zu bewegen. Sie üben Bewegungsabläufe, automatisieren und verinnerlichen sie durch ständige Wiederholung, bauen sie aus und verfeinern sie. Über den Körper macht das Kind die Erfahrung: „Ich kann etwas – ich kann dem Ball eine Richtung geben, das Tor treffen, aus eigener Kraft die Schaukel bewegen, mein Laufrad beherrschen.“ Konzentration, Ausdauer und Beharrlichkeit führen zum Erfolg und zu Zufriedenheit mit der eigenen Leistung. All dies kann ich aus eigener Kraft und eigenem Antrieb – eine Voraussetzung für die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Selbstverständlich wird es auch an seine Grenzen stoßen – alters- und erfahrungsbedingt oder durch seine körperlichen Möglichkeiten. Ist der Ball zu groß, die Schaukel zu hoch, das Laufrad zu schwer, wird das Kind lernen, mit diesen Misserfolgen um zugehen. Aber auch den Mut gewinnen, wenn eine neue Herausforderung misslingt, es immer wieder auszuprobieren.

Erfahrungen sind umso intensiver, je selbstbestimmter und aus eigenem Antrieb sie entstanden sind. Das Kind kann experimentieren durch die Anwendung verschiedenster Techniken, der Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten eines Materials und des Erprobens unterschiedlichster Strategien – alle Kinder schaukeln, die Art des Schwung holens kann jedoch so unterschiedlich sein, wie die Kinder selbst.

Besonders wichtig in der Bewegung sind die sozialen Kompetenzen. Wo Kraft und Schnelligkeit eingesetzt werden, Bewegungsfreiraum notwendig ist und mehrere zusammen agieren, ist Rücksichtnahme wichtig und notwendig. Sich zurücknehmen können aber auch durchzusetzen sind notwendige Erfahrungen. Die Freude und der Spaß mit anderen zusammen, im Team in Bewegung zu sein baut Beziehungen auf, fördert den gesunden Ehrgeiz, steigert das Selbstwertgefühl, lässt aber auch mögliche Niederlagen besser bewältigen.

Wichtig ist es, auf das Kind abgestimmte Bewegungsangebote zu machen. Das bedeutet, sie müssen dem Alter, der kindlichen Erfahrung und den körperlichen Voraussetzungen entsprechen. Es ist jedoch häufig zu beobachten, dass Kinder mit Spiel- und Sportgeräten umgehen, die zu schnell, zu groß, zu überfrachtet sind und sie somit überfordert sind und der Misserfolg vorprogrammiert ist.

Deshalb ist unbedingt notwendig, dass realistische Altersangaben genannt werden, damit das Kind durch sein Können angespornt wird, Erfolgserlebnisse hat und sich weiterentwickeln kann. Die für Kinder Verantwortlichen, seien es Eltern, Erzieher, Lehrer, Betreuer, Trainer müssen Kindern ausreichend Zeit, Raum und Unterstützung zur Verfügung stellen, damit dem Kind die Möglichkeit gegeben ist alle diese Erfahrungen zu machen und seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben zu können.
 

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