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Vom Spielzeug und vom Spielen
Einzelpreis: 9,50 Euro

Spiel ist Freiheit
Spiel kann sich nur in Freiheit entfalten. Nur wenn spontanes Handeln möglich ist und das Kind darüber entscheiden kann, was, wie, womit und wie lange es etwas spielen will, entfaltet sich sein Wissen über die Dinge und entwickelt sich seine Kreativität. Auch Erwachsene brauchen das Spiel nicht nur zur Erholung, sondern zum Wechseln der Perspektive und zum kreativen Neuansatz. In der selbstgewählten Tätigkeit verfolgt das spielende Kind sein Ziel nach seinen Vorstellungen und Fähigkeiten. Oft wird es erst auf Umwegen über Fehler und Irrtümer erreicht. Aber auch aus ihnen wird man bekanntlich klug. Gezieltes, methodisches Lernen ist etwas grundsätzlich anderes. Beides hat seinen Platz im Leben der Kinder, nur verwechseln sollte man es nicht. Sonst kann es geschehen, dass schon kleinen Kindern beides – Spielen und Lernen – verleidet wird.

Kinder als Konsumenten, Spielzeug als Ware
Gespielt wird immer mit etwas: mit Dingen, mit Material, mit Gedanken, mit dem eigenen Körper, mit anderen Kindern, mit Erwachsenen. Nicht zu jedem Spiel braucht man Spielzeug, aber sein Anteil am Spielgeschehen wächst ständig. Werbung versucht Kindern zu suggerieren, dass sie dieses und jenes Spielzeug unbedingt haben müssen, um richtig spielen zu können, um überhaupt ein richtiges Kind zu sein. Spielgefährten werden interessant, wenn sie bestimmte Spielsachen besitzen, so dass schleichend aus dem Sein ein Haben wird: Nur wer dies und jenes besitzt, hat Bedeutung und dem wird Beachtung geschenkt. Aus dem Spiel wird Ernst, der Ernst der Auseinandersetzung um sozialen Rang und Einfluss in der Kindergruppe. Laut der aktuellen Ausgabe der zweijährig erscheinenden KIM-Studie des medienpädagogischen Forschungsverbundes nutzen über 40% der 6–13-Jährigen Kinder das Internet vor allem für Spiele und verbringen dabei bis zu vier Stunden täglich vor dem Monitor. Hier gegenzusteuern und diesen massiven Einfluss zu relativieren, ist sicher schwer, aber in der Geborgenheit bietenden Beziehung des Kindes zu seinen Eltern möglich.

Buhmann Spielwarenindustrie?
Zweifellos nimmt das Angebot an unsinnigem und überflüssigem Kinderspielzeug bis zu ausgesprochenem Schund und Wegwerfspielzeug ständig zu. Riesige Kaufhäuser machen die Auswahl schwer, Beratung beim Spielzeugkauf ist Mangelware, und man kann den Spielwaren und einer schönen Verpackung selbst oft nicht ansehen, ob sie gut sind für unser Kind oder nicht.

Die Spielwarenindustrie ist keine pädagogische Institution, sondern eine auf Gewinn angewiesene Industrie. Im Kompromiss zwischen einer Gestaltung, die die Kinder anlockt, und der Befriedigung von Qualitätsansprüchen der Eltern sucht sie gegen die Konkurrenz zu bestehen. Hersteller, die eher auf anspruchsvolle Eltern setzen, werden mit Qualität werben, solche, die auf die direkte Auswahl durch die Kinder setzen, werden das schreiende Design betonen.

Der freie Markt braucht den aufgeklärten Konsumenten. Es ist fraglich, ob Kinder, die die Tricks der Werbung und der Produktgestalter noch weniger durchschauen als Erwachsene, diesem Anspruch gewachsen sind. So wünschen sich manche eine stärkere Kontrolle des Spielwarenmarktes – vergleichbar dem Arzneimittelmarkt. Es ist auch fraglich, ob die freiwillige Selbstkontrolle und die Indizierung gewaltverherrlichender Produkte bei Computerspielen ausreicht. Augenblicklich kommt es darauf an, dass Eltern ihre Kinder bei der Auswahl beraten und sie nicht immer dem riesigen Angebot der Kaufhäuser aussetzen, um dann in liberaler Manier selbst entscheiden zu lassen. Die liebevolle, von Akzeptanz und Verständnis geprägte Auseinandersetzung zwischen den eigenen Erziehungsvorstellungen und -werten einerseits und den Besitz- und Spielwünschen der Kinder andererseits ist notwendig. Dies setzt aber voraus, dass sich der Erwachsene kundig gemacht hat über die Fragen des Kinderspiels und -spielzeugs.

spiel gut Arbeitsausschuß bietet Hilfe

Wir möchten als spiel gut Arbeitsausschuß allen interessierten Eltern und Erziehern mit diesem Ratgeber helfen, ihr Wissen über das Spiel und Spielzeug der Kinder zu ergänzen und zu vertiefen. Unsere Mitglieder, die als Autoren und Autorinnen, als wissenschaftliche und fachliche Berater und Beraterinnen an dieser Schrift beteiligt sind, kommen aus allen Fachgebieten, die auch das Kind und sein Spiel berühren: Psychologie, Pädagogik, Sozialpädagogik, Soziologie, Erziehungs- und Familienberatung, Sonderpädagogik, Medizin, Kinderheilkunde, Kunst- und Werkerziehung, Design, Architektur, Technik, Elektronik, Umweltschutz – und sie sind Eltern. Gemeinsam ist ihnen ein besonderes Interesse am Kinderspiel und Spielzeug, an der Spielpädagogik. So ist gewährleistet, dass alle für unsere beratende Arbeit wichtigen Gesichtspunkte berücksichtigt werden und eingleisiges Fachdenken nicht zum Zuge kommt.

Diese umfassende Sicht hat sich auch bei der Prüfung und Bewertung von Spielzeug seit 1954 bis heute bewährt. Unsere von der Spielwarenindustrie unabhängige Jury verleiht nach ausgiebiger Erprobung des Spielzeugs mit Kindern dem empfehlenswerten Spielzeug die Auszeichnung spiel gut. Sie besagt, dass es von der Idee her, in seinen Spielmöglichkeiten und in der Ausführung unsere Qualitätsansprüche erfüllt.

Die spiel gut Empfehlung kann nicht bedeuten, dass das ausgezeichnete Spielzeug für jedes Kind (im entsprechenden Alter) geeignet ist. Die Eignung für das einzelne Kind kann nur bestimmen, wer seine Fähigkeiten, Eigenarten, Interessen, seine Familien- und Wohnverhältnisse kennt. Das können wir nicht. Wir bieten auch keine Patentrezepte, sondern ausführliche Informationen, die jedem helfen können, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch eine Auswahl des Spielzeugs – im Einzelnen wie im Ganzen – die den Kindern nützt und anhaltend Freude bereitet. Weitere Ratgeber zu speziellen und aktuellen Fragen und Problemen ergänzen diese Schrift.

Immer geht es dabei um das Spiel der Kinder – das Spielzeug allein bedeutet nur eine Möglichkeit zum Spielen. Erst das spielende Kind gibt ihm seinen Sinn, weist ihm seine Rolle zu und erweckt es zum Leben. Welche Art von Leben dabei sichtbar wird, hängt wenig vom Spielzeug ab, aber viel von uns allen, vom Einzelnen wie von der Gesellschaft. An uns orientieren sich die Kinder und halten uns in ihren Spielen den Spiegel vor. Wir sollten aufmerksam hineinschauen, um zu erkennen, welches Vorbild wir geben. Gelegenheiten gibt es dafür genug: 10 000 Stunden spielen Kinder in den ersten sechs Jahren ihres Lebens.

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