spiel gut e.V.

Sie befinden sich hier:    ⟩Start   ⟩ Eltern ⟩ Sicherheit bei Kinderspiel + Spielzeug
Zur Übersicht ⟨  zurück

Sicherheit bei Kinderspiel + Spielzeug
Einzelpreis: 3,90 Euro

Sicherheit ist uns allen wichtig. Nicht wenige Menschen sind in unserer Gesellschaft beruflich damit beschäftigt, unsere Sicherheit auf allen Gebieten zu verbessern – bis zur größtmöglichen Perfektion.

Und das Ergebnis? Ist unsere Welt dadurch wirklich wesentlich sicherer geworden? Oder haben sich die Risiken und Unfälle häufig nur verlagert? Ist an die Stelle „unsicherer“ Geräte und fehlender Sicherheitsvorkehrungen die Sorglosigkeit der Benutzer getreten? Auch das „sicherste“ Spielzeug kann Fehlverhalten aus Unkenntnis, Leichtsinn oder Rücksichtslosigkeit nicht verhindern. Verschiedenste Sicherheitssiegel und Stempel können aber das notwendige Gefahrenbewusstsein einschläfern, das eigene Denken, Abwägen, Entscheiden ausschalten, die erforderliche Vorsicht verringern und dadurch zu Unfällen anderer Art führen. Wenn Sicherheit bereits als Verkaufsargument im Vordergrund steht, können selbst Gebrauchsanleitungen mit Warnhinweisen ihre Wirkung verlieren. Sie werden weniger beachtet oder überhaupt nicht gelesen: die Sicherheit ist ja garantiert. Und das gilt ganz besonders für Spielzeug und andere Dinge, die für Kinder bestimmt sind – manchmal mit verhängnisvollen Folgen.

Kinder sind von Natur aus gefährdeter als Erwachsene. Je jünger sie sind, umso mehr brauchen sie Schutz vor Unfällen und anderen gesundheitlichen Schäden: Sie können Gefahren nicht immer erkennen und die Folgen ihres Handelns noch nicht sicher abschätzen. Eben das müssen sie aber lernen – allmählich und mit unserer Hilfe.

Diese Hilfe darf nicht darin bestehen, dass wir Eltern alle Risiken beseitigen und die Kinder vor jeder unangenehmen Erfahrung bewahren. Wenn wir sie durch immer perfektere Sicherheitsvorkehrungen vor jedem vermeintlichen Risiko schützen, erreichen wir auf die Dauer Unsicherheit statt Sicherheit. Auf diese Weise lernen Kinder nicht, selbst Gefahren zu erkennen, sich richtig zu verhalten und mit ihrer Umwelt sachgerecht umzugehen. Wir bringen sie um die wichtigste Erfahrung, etwas Schwieriges, ja sogar Riskantes meistern zu können.

Kinder brauchen das Risiko, und sie suchen es auch. Es ist kein Zufall, dass risikolose Spielplätze sehr schnell jeden Reiz verlieren und von den Kindern gemieden werden. Sie suchen sich dann interessantere Spielmöglichkeiten, eventuell auch solche mit großen und vor allem unkalkulierbaren Gefahren. Ein Spielplatz mit erkennbaren und daher auch berechenbaren Risiken hätte das verhindern können.

Alle Kinder brauchen Sicherheit + Risiko – beides zur rechten Zeit, am richtigen Platz und in der richtigen Dosierung. Wer nach diesem Grundsatz handeln will, muss mehr tun, als nur aufpassen, dass nichts passiert. Die daraus erwachsenden Probleme und Aufgaben betreffen auch nicht allein die Eltern, sondern alle Erwachsenen, die dauernd oder gelegentlich Kinder betreuen.

Regeln oder gar Patentrezepte, die für alle Kinder gelten, gibt es nicht. Stattdessen will das Buch so umfassend wie möglich und notwendig über Wissenswertes zur Sicherheit beim Spielen und Spielzeug informieren. Nur wer die Gefahren kennt und erkennt, kann auch die Gefährdungen für das betroffene Kind richtig einschätzen.

Neue Materialien und Techniken haben dazu geführt, dass unsere Umwelt und ihr Funktionieren weniger durchschaubar geworden sind.
Chemische Substanzen und Inhaltsstoffe in Materialien, aus denen Spielzeug hergestellt wird, sind unüberschaubar geworden.
Der Ratgeber informiert über die gebräuchlichsten Materialien und Inhaltsstoffe.

Unwissenheit, Unsicherheit und „Versicherungsdenken“ haben immer mehr dazu geführt, dass für jeden Schaden, für jeden Unfall – auch für den geringfügigsten – ein Schuldiger gesucht wird. Nicht das unvorsichtige Kind oder wir als Eltern sind schuld, wenn etwas passiert. Nein, der Hersteller des Spielzeugs oder das Amt, das den Spielplatz betreut, sollen für den Schaden haften. Das hat zu immer mehr Reglementierungen und Normen mit zum Teil überfrachteten Inhalten geführt. Die damit einhergehende Scheinsicherheit auf dem Papier macht Erwachsene unaufmerksamer und fördert im eventuellen Schadensfalle das Anspruchsdenken. Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen tun ihr Übriges.

Eines müssen wir uns immer wieder vor Augen halten: Es gibt keine absolute Sicherheit! Auch nicht für Kinder beim Spielen.

Befriedigende Ergebnisse für die Kinder (und allein darum sollte es uns gehen) sind auf die Dauer nur zu erreichen

  • wenn jeder Erwachsene sich verantwortlich fühlt: als Eltern, Erzieher, Betreuer, Lehrer, Spielzeughersteller, Verkäufer und auch als Mitverfasser von Sicherheitsnormen oder Gesetzen,
  • wenn alle Verantwortlichen sich bemühen, Gefahren auszuschalten oder für jeden deutlich sichtbar zu machen. Das gilt vor allem für Gefährdungen, die selbst für Erwachsene nicht immer erkennbar und manchmal sogar nur Fachleuten bekannt sind.

Diese Schrift soll dabei mit umfangreichen Informationen unterstützen:

  • über alterstypisches Verhalten der Kinder und Jugendlichen,
  • über mögliche Gefährdungen beim Spielen mit und ohne Spielzeug oder anderes „Zeug zum Spielen“,
  • über Gesetze, Sicherheitsnormen und andere Maßnahmen zum Schutz der Kinder.

spiel gut e.V. hat sich bemüht, die bei vielen Spielsituationen auftretenden Sicherheitsprobleme ausführlich und verständlich darzustellen. Vollständigkeit haben wir gewiss nicht erreicht. Vieles ist auch noch im Fluss – zum Beispiel bei der Gesetzgebung – oder ändert sich durch neue Produkte. Mit Ihren Anregungen, Ihrer Kritik oder auch Zustimmung könnten Sie unsere weitere Arbeit sehr unterstützen.

Sicherheit ist beim Kinderspiel und Spielzeug nur ein Gesichtspunkt unter vielen nicht weniger wichtigen. Wir hoffen, dass dies trotz des Hauptthemas sichtbar geblieben ist. Wo es uns sinnvoll erschien, haben wir Anmerkungen zur Pädagogik und Gestaltung eingefügt.

spiel gut e.V. übernimmt keine Haftung für die Angaben.

Informationen

Unsere aktuelle Publikation

Gefördert durch das

BMFSFJ-Logo